Nicola Benedetti – Baroque

Review Nicola Benedetti – Baroque

Aufmunterung tut Not, nachdem der nach einem virusgetrübten Winter und Frühling rundherum herbeigesehnte Sommer mehr oder weniger ins Wasser gefallen ist. Als Seelentröster kommt da Nicola Benedettis neuestes Album gerade recht, das vor Lebensfreude nur so sprüht. Mit Vivaldi hat die Geigerin genau den richtigen Komponisten für ihr neuestes Projekt ausgesucht und in der hier präsentierten Version von Geminiani führt „La Folia“ in idealer Weise in das auf dem Album gezündete Vivaldi Feuerwerk ein.

Zum ersten Mal präsentiert sich Nicola Benedetti als Solistin in der historisch informierten Umgebung eines ihren Namen tragenden, spontan zusammengestellten Orchester aus renommierten Musikern der Alte Musik Szene. Als Instrument steht ihr eine mit Barockbogen gespielte, mit Darmsaiten bestückte Stradivari 'Gariel' aus dem Jahr 1717 zur Verfügung, die sie stets stilvoll, seidig und mühelos ohne jegliches schweres Vibrato und mit exquisiter Nuancierung zum Klingen bringt. Man möchte nicht glauben, dass die Geigerin sich zum ersten Mal historisch informiert präsentiert, so glaubwürdig sie in diesem Umfeld agiert. „Ihr“ Barock-Orchester unterstützt sie dabei kongenial, indem es mit der Solistin gleichberechtigt musiziert, was auch der Lebendigkeit des Albums zu Gute kommt.

Wie zur Barock-Zeit an der Tagesordnung hat Geminiani seine Version der „La Folia“ zugrunde liegende Melodie von seinem Lehrer Corelli geliehen, der sie, wer weiß woher, übernommen hat. Einigen Quellen zufolge stammt die Melodie ursprünglich von Jean-Baptiste Lully, andere wiederum behaupten, sie sei früher entstanden. Bekannt ist jedoch, dass diese Melodie im Laufe von drei Jahrhunderten von mehr als 150 Komponisten verwendet wurde, und dieses Concerto grosso von 1729 ist immer noch eine sehr beliebte Version. Das Orchester und die Solistin auf Baroque nutzen die Gelegenheit, sich bei der Interpretation von “La Folia“ ungebremst auszutoben. Der enorme Schwung, mit dem dieses Concerto Grosso von allen Beteiligten Musikern präsentiert wird, überträgt sich unmittelbar auf den Zuhörer, dessen vom schlechten Sommerwetter beeinträchtigte Laune sich sofort bessert, wozu die nachfolgenden drei Vivaldi-Konzerte das Ihrige beitragen.

Die Interpretation der Vivaldi-Konzerte auf Baroque glänzt durch klangliche und strukturelle Kontraste, betörendes Geigenspiel der Solistin in den langsamen Sätzen und virtuos sprudelnd in Szene gesetzte schnelle Sätze, die pure Lebensfreue spiegeln.

Der Tontechnik ist zu verdanken, dass die Wucht des Ensembles und die Brillanz der Solovioline in „La Folia“ ungebremst per Download beim Zuhörer ankommt. Vor allem jedoch gelingt es der Aufnahmecrew die ausgewogene Partnerschaft zwischen Orchester und Solistin ins rechte Licht zu rücken, ohne die Solistin akustisch auf ein erhöhtes Podest auf ein zu heben.

Dieses Album ist schlicht eine Wucht im Hinblick auf die überragende Leistung der Musiker und die hohe Aufnahmequalität. Da nimmt es nicht Wunder, dass die aktuell durch allerlei Anlässe getrübte Laune des Zuhörers per Baroque eine deutliche Besserung erfährt.

Nicola Benedetti, Violine
Benedetti Baroque Orchestra
Gäste:
Steven Devine, Cembalo
Kati Debretzeni, Violine
Elizabeth Kenny, Laute

Nicola Benedetti – Baroque

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