Album Info

Album Veröffentlichung:
2021

HRA-Veröffentlichung:
28.05.2021

Das Album enthält Albumcover Booklet (PDF)

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Formate & Preise

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FLAC 96 $ 13,70
  • 1Vildmark01:12
  • 2Cloudland04:34
  • 3The Fifth Grade05:37
  • 4Nikita's Dream04:40
  • 5Tango Magnifique03:53
  • 6Desert of Catanga06:17
  • 7River of Little03:22
  • 8Yes to You03:35
  • 9Intermezzo01:58
  • 10Villstad04:12
  • 11Sacred Mind05:02
  • 12Imagine Joao03:41
  • Total Runtime48:03

Info zu Cloudland

„Cloudland" ist das vierte Album von Lars Danielssons Liberetto Ensemble. Seit nunmehr fast einer Dekade steht diese Band für Eleganz, Verve, Drive und musikalische Frische und hat sich als Institution des europäischen Jazz etabliert. „Elegante Lyrik“ und „treffsicherer Groove“ (All About Jazz) verbinden die neuen Kompositionen abermals auf unnachahmlicher Weise.

Gute Dinge sind es wert, auf sie zu warten. Lars Danielsson hatte Ende 2019 gerade ein paar Tracks für ein neues Liberetto-Album aufgenommen, dann schlug die Pandemie zu... Als sich im September 2020 ein Zeitfenster zwischen den Lockdowns in ganz Europa auftat, ergriff Danielsson die Gelegenheit und holte die Bandkollegen zurück in sein Studio in der Nähe von Göteborg, um zu beenden, was sie begonnen hatten.

Wer die Attraktivität und Zugänglichkeit von Danielssons Liberetto-Konzept – schon seine Wortschöpfung verbindet ja musikalische Freiheit mit spielerischer Leichtigkeit – schätzt, wird „Cloudland", das vierte Liberetto-Album, lieben. Alle Erwartungen, angefangen mit der wieder in Hülle und Fülle zu findenden „eleganten Lyrik“ und dem „treffsicheren Groove“, wie es der kanadische Autor John Kelman (All About Jazz) schon 2011 beim ersten Liberetto-Album ausmachte, werden eingelöst. „Ich betrachte meine Kompositionen als Songs“, sagt Danielsson, der die Bedeutung der Melodie nie vergisst. Schließlich, so erinnert er sich noch lebhaft, war sein allererster Musiklehrer ein Organist mit einer Vorliebe für Hymnen.

„Cloudland“ zeigt aber auch Danielssons ganze Bandbreite an Klangfarben und Ausdrucksmöglichkeiten. Zu den gewohnten kommen hier neue dazu. Gleich zu Beginn von „Imagine Joao'“ zum Beispiel, einem Duett mit John Parricelli, trägt er die Melodie mit der Eleganz und Eloquenz des vollendeten lyrischen Bassisten vor, wie wir sie von ihm gewohnt sind. In den letzten sechzig Sekunden von „Villstad“ hingegen sind heroisch-rockige Klänge zu hören, die die meisten Zuhörer wahrscheinlich einer elektrischen Gitarre zuordnen werden. Doch der Schein kann beim Klang-Alchimisten und -Zauberer Lars Danielsson trügen: Er spielt hier ein elektronisch verzerrtes Cello.

Neu ist auch das fünfsaitige Hybrid-Bass-Cello, das Danielsson hier erstmals einsetzt, im Eröffnungstrack "Vildmark" (was so viel wie Wildnis bedeutet) „con arco“, also mit dem Bogen, und in „Tango Magnifique“ gezupft. „Es ist ein nachgebautes Instrument aus dem 18. Jahrhundert“, erklärt Danielsson, „und es sieht nicht nur schön aus, es hat auch einen wunderbaren Klang. Es singt wirklich!“ „Cloudland“ birgt weitere Innovationen: Seit er in den Neunzigerjahren Mitglied der Band von Trilok Gurtu war, erforscht Danielsson ungerade Metren. Hier führt er diese Arbeit weiter, ohne dafür den Reiz und die emotionale Wirkung der Musik zu opfern, getreu seiner Philosophie: „Wenn es natürlich klingt, ist es egal, in welchem Takt es ist.“ Das gilt besonders für das Titelstück, das zwar im 17er-Takt steht, aber trotzdem einen unwiderstehlichen Puls, Fluss und sogar eine luftige Eleganz besitzt, welche durch die unverwechselbare Präsenz des Trompeters Arve Henriksen als Leadstimme noch verstärkt wird.

Apropos Begleiter: „Cloudland“ ist auch das Liberetto-Debüt des in Syrien geborenen Klarinettisten/Komponisten Kinan Azmeh. Ein enorm vielseitiger Musiker, dessen Tätigkeit von Yo Yo Ma's Silk Road Ensemble bis zu Kompositionsaufträgen der New York Philharmonic reicht. Im ruhigen, hinter-gründigen „Intermezzo“ hören wir sowohl seinen warmen, fokussierten Ton auf der Klarinette wie auch sein poetisches Talent für Phrasierung. So ist dieses Album auch eine Feier der unzähligen Talente, die die Mitglieder von Liberetto in Danielssons Musik einbringen. Sie sind seit einem Jahrzehnt mit seiner Musik vertraut, verstehen sie, schätzen sie, und bringen auf „Cloudland" spürbar die Freude zum Ausdruck, sie wieder gemeinsam zu spielen. Bei „River of Little“ etwa folgt Pianist Grégory Privat dem Thema mit herausragender Präzision, um uns doch zugleich einen magischen Einblick in die Welt der improvisatorischen Freiheit und Fantasie zu gewähren. Wir hören die Bandbreite des Gitarristen John Parricelli: von der nylonsaitigen Zartheit des „Tango Magnifique“ bis zu den Casbah-artigen elektrischen Riffs von „Desert of Catanga“. Arve Henriksens Beitrag auf dem Titeltrack wird dem Hörer noch lange im Gedächtnis bleiben. Und Schlagzeuger Magnus Öströms einfühlsame Beherrschung von Timbre und Textur im ruhigen „Nikita's Dream“ ist atemberaubend.

„Cloudland" belohnt die Geduld des Hörers also reichlich. Nicht zuletzt bei den vielen ganz besonders vielfältig und schön gestaltenten Endings. Nehmen wir zum Beispiel die perfekte Gelassenheit im Rallentando, der Tempoverschärfung, die den Titeltrack beschließt. Oder die rätselhaften letzten Takte von „Sacred Mind“ oder den präzisen und knackigen Abschluss von „Desert of Catanga“. Nur drei Beispiele für die sorgfältige, durchdachte Arbeit der Co-Produzenten, die während der gesamten Entstehungszeit des Albums als harmonisches Kreativteam wirkten: Cæcilie Norby, Magnus Öström und Danielsson selbst.

In jeder Hinsicht erinnert dieses Album daran, dass kreative Prozesse Zeit brauchen, um zu reifen. Dass sich dies aber am Ende umso mehr lohnt.

Lars Danielsson, Kontrabass, Cello
Grégory Privat, Klavier
John Parricelli, Gitarre
Magnus Öström, Schlagzeug & Percussion
Gäaste:
Arve Henriksen, Trompete
Kinan Azmeh, Klarinette




Lars Danielsson
Der legendäre dänische Bassist Nils-Henning Ǿrsted Pedersen hat der Welt nicht nur direkt, sondern auch indirekt großen Jazz beschert. Denn als der junge schwedische Musiker Lars Danielsson einst ein Konzert von ihm besuchte, war er so tief beeindruckt, dass er sich dem Jazz und dem Bass zuwandte. Bis dahin hatte der 1958 in Göteborg geborene Danielsson am Konservatorium seiner Heimatstadt Göteborg klassisches Cello studiert. Eine Herkunft, die er zum Glück nie verleugnet, sondern in sein neues Betätigungsfeld integriert hat: Abgesehen davon, dass er immer wieder Cello im Repertoire hat, klingt sein Bass-Spiel einen unverwechselbaren Hauch melodiöser, schwebender, lyrischer als das der meisten Kollegen.

Diese besonderen Qualitäten machten ihn bald zum international gefragten Begleiter. Er arbeitete schon von den Achtzigerjahren an nicht nur mit heimischen und europäischen Größen wie Lars Jansson, Hans Ulrik, Carsten Dahl, Nils Landgren, Christopher Dell, Johannes Enders oder Trilok Gurtu (in dessen Group er längere Zeit Mitglied war), sondern auch mit Stars der amerikanischen Szene wie den Saxofonisten Rick Margitza und Charles Lloyd, dem Trompeter Kenny Wheeler, den Brecker Brothers, den Schlagzeugern Teri Lynne Carrington, Jack DeJohnette und Billy Hart oder den Gitarristen John Scofield, Mike Stern und John Abercrombie. Doch Danielsson hat sich nie mit der Sideman-Rolle begnügt. Er war immer ein kreativer Komponist und gehörte früh zur relativ kleinen Riege der Bassisten, die auch als Bandleader hervortraten.

Der bevorzugte Spielplatz für Danielssons Suche nach dem eigenen musikalischen Ausdruck war fast 20 Jahre lang sein eigenes All-Star-Quartett mit dem amerikanischen Saxofonisten David Liebman (der früher bei Miles Davis spielte), dem schwedischen Pianisten Bobo Stenson und dem norwegischen Schlagzeuger Jon Christensen – beide Pioniere der als „nordic sound“ berühmt gewordenen Verbindung von Jazz mit traditioneller skandinavischer Musik und Veteranen des ECM-Labels. Vier reine Quartett-Alben unter seinem Namen und sechs weitere mit Gästen festigten dank begeisterter Kritiken und vieler Auszeichnungen Danielssons Ruf als einer der führenden Jazzmusiker Europas. Diese Band legte auch die Basis für seine Tätigkeit als Komponist, Arrangeur und Produzent, die sich seitdem stark ausgeweitet hat. So arbeitete Danielsson in diesen Funktionen mit dem Danish Radio Concert Orchestra, dem Gothenburg Symphony Orchestra, der NDR Big Band, dem St. Petersburg Symphony Orchestra und dem JazzBaltica Ensemble, für den Schlagzeuger Jonas Johanssen und die Sängerinnen Viktoria Tolstoy und Caecilie Norby – letztere ist seine Frau, die er dementsprechend auch regelmäßig begleitet.

Auch bei seinen eigenen Projekten hat Lars Danielsson zuletzt den musikalischen Bezugsrahmen und die stilistische Bandbreite immer mehr erweitert. Auf seinem ACT-Debüt „Libera Me“ erwies er sich schon 2004 als Meister eines orchestralen Jazz, auf „Mélange Bleu“ zwei Jahre später überraschte er mit einem modernen, behutsam eingesetzten elektronischen Rahmen für seine raumgreifenden, Klangfarben-reichen Kompositionen. Bei „Pasodoble“ schuf er 2007 im gleichberechtigten Duett mit dem polnischen Pianisten Leszek Możdżer ein atemberaubendes, zwischen Klassik und Jazz vermittelndes Manifest des Wohlklangs, das überwältigende Kritiken erhielt. „Tarantella“ führte 2009 die fruchtbare Zusammenarbeit mit Możdżer fort, übertrug den musikalischen Grundgedanken aber auf einen kammerjazzigen Ensemblerahmen. Alle diese Alben (wie auch die folgenden) erreichten Gold- oder Platin-Status, das von ihm mitinitiierte und von Vince Mendoza geleitete Orchesterprojekt „Blauklang“ war sogar für den Grammy nominiert.

Gewissermaßen die Quintessenz seiner vielfältigen Ausdrucksformen fand Danielsson 2012 – und auch gleich den passenden Titel dafür: „Liberetto“. Seine Wortneuschöpfung „bezeichnet eine bestimmte Stimmung, in der ich meine Musik entwickeln möchte. Es schließt an meine früheren Alben an - rein sprachlich wie in dem Verweis zur klassischen Musik“, erklärte er selbst. Das so benannte Album mit dem armenischen Star-Pianisten Tigran, dem e.s.t.-Schlagzeuger Magnus Öström, dem britischen Gitarristen John Parricelli sowie dem Trompeter Arve Henriksen fand eine neue Balance zwischen Jazz, Klassik, Pop und europäischer Volksmusik und eröffnete damit eine neue Dimension der kompositorischen Dramatik im Jazz. So erfolgreich, dass das Projekt bis heute immer weitere Fortsetzungen erfährt: Nach „Liberetto II“ im ganz intimen Duo mit Tigran und „Liberetto III“ im nur durch den französisch-karibischen Pianisten um eine weitere Farbe ergänzten bewährten Quartett hat Danielsson beim Leopolis Jazz Fest eine sinfonische Fassung dieses Konzepts und seiner Kompositionen aufgeführt. Auch davon wird es demnächst einen Tonträger geben.

Natürlich lässt sich Danielsson genug Raum für andere interessante Aufgaben, ob es die Mitwirkung bei den einmaligen Konzerten des „Jazz at Berlin Philharmonic“ ist oder ein Duo mit dem sardischen Trompeter Paolo Fresu, seinerseits einer der lyrischsten Vertreter seines Fachs. Ihr gemeinsames Album „Summerwind“ ist der derzeit aktuellste Beleg für Danielssons besondere Fähigkeiten: seine technische Brillanz, seine überragende musikalische Fantasie und das fast telepathische Verständnis mit anderen Musikern.



Booklet für Cloudland

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