Sun Bear Concerts (Remastered) Keith Jarrett

Album Info

Album Veröffentlichung:
2020

HRA-Veröffentlichung:
08.05.2020

Label: ECM Records

Genre: Jazz

Subgenre: Contemporary Jazz

Interpret: Keith Jarrett

Komponist: Keith Jarrett

Das Album enthält Albumcover

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  • 1Kyoto, November 5, 1976, (Part 1)44:35
  • 2Kyoto, November 5, 1976, (Part 2)35:29
  • 3Osaka, November 8, 1976, (Part 1)39:11
  • 4Osaka, November 8, 1976, (Part 2)31:12
  • 5Nagoya, November 12, 1976, (Part 1)36:11
  • 6Nagoya, November 12, 1976, (Part 2)39:54
  • 7Tokyo, November 14, 1976, (Part 1)40:49
  • 8Tokyo, November 14, 1976, (Part 2)35:28
  • 9Sapporo, November 18, 1976, (Part 1)41:26
  • 10Sapporo, November 18, 1976, (Part 2)33:58
  • 11Encore From Sapporo11:01
  • 12Encore From Tokyo08:23
  • 13Encore From Nagoya04:17
  • Total Runtime06:41:54

Info zu Sun Bear Concerts (Remastered)

Keith Jarretts "Sun Bear Concerts" sind ohne Zweifel eines der monumentalsten Werke, die je auf einem Tonträger dokumentiert wurden. Die ursprünglich zehn LPs der "Sun Bear Concerts"-Box (die später auf sechs CDs wiederöffentlicht wurden) enthielten Aufzeichnungen von fünf kompletten Konzerten, die der für seine Soloaufnahmen aus Bremen, Lausanne (ECM 1035-1037) und Köln (ECM 1064) in der ganzen Welt gefeierte Pianist im November 1978 in Japan gegeben hat.

Von sämtlichen Veröffentlichungen des ECM-Labels ist die "Sun Bear Concerts"-Box nach wie vor die Produktion, die am meisten Kontroversen provozierte. Die Kritikerreaktionen reichten von ekstatischem Enthusiasmus bis zu blanker Empörung, die sich allerdings meist nur gegen den Umfang der Dokumentation richtete und gar nicht gegen die Musik selbst. Sogar dem Pianisten durchaus wohlgesonnene Kritiker machten sich angesichts des Umfangs der Box etwas besorgt Gedanken. "Die Veröffentlichung dieser Alben stellt den kühnsten Akt in Jarretts bisheriger Karriere dar, und zugleich auch einen der dreistesten des ECM-Urhebers Manfred Eicher", urteilte Neil Tesser. "Beide waren sich sicherlich des kritischen Skeptizismus bewußt, auf den eine Box mit zehn Platten von Jarretts improvisierten Piano-Concerti stoßen würde..."

Tatsächlich haben Jarrett und Eicher daran keinen Gedanken verschwendet - und weder der Pianist noch der Produzent sahen je Anlaß, den monumentalen Umfang der "Sun Bear Concerts"-Box zu bedauern oder sich für ihn zu entschuldigen. Die Kollektion erfüllte vollkommen ihren Zweck: Erstens dokumentierte sie die beträchtlichen Entwicklungen in Jarretts Spiel seit den Konzerten in Bremen, Lausanne und Köln und zweitens illuminierte sie in einzigartiger Weise die Natur des kreativen Prozesses im Verlauf einer einzigen Konzertserie.

Die improvisatorischen Ressourcen eines Musikers waren noch nie zuvor (und auch nie danach) Gegenstand einer so erschöpfenden Musterung gewesen. Wie Jarrett einst sagte: Bei Solokonzerten kann man sich nirgends verstecken. Noch heute versetzen einen die Beständigkeit seines Einfallsreichtums und die Bandbreite seiner melodischen Phantasie in Erstaunen. Selbst die Passagen mit nachdrücklichen Ostinati, die Jarrett zwischendurch einstreut, um neue Ideen zu schöpfen, haben eine hypnotische Kraft und motivischen Wert. Im Verlauf der Tournee, die in Kioto begann und ihn über Osaka, Nagoya und Tokio nach Sapporo führte, machte Jarrett neue ereignis- und detailreiche Musik. Und jedes dieser Konzerte hatte einen unverkennbar eigenen Charakter.

"Diese Marathone bewiesen, daß Jarrett einer der größten Improvisatoren des Jazz ist", meinte der britsche Trompeter und Jazzjournalist Ian Carr. "Er verfügt offensichtlich über einen unerschöpflichen Fluß rhythmischer und melodischer Ideen, eine der brillantesten pianistischen Techniken überhaupt und die Fähigkeit, komplexe und profunde Gefühle zu artikulieren."

"Jarretts Konzerte sind unwiederholbar", befand Peter Ruedi 1978 in der Schweizer Weltwoche. "Sie enthalten eine Musik, die für immer vorüber ist, wenn sie erklungen ist: ein Grund von diesem Musiker entweder nichts auf Platten festzuhalten. Oder alles. Pianistisch erscheint Jarrett auf seinem Japan-Trip noch perfekter als auf seinen früheren Solo-Einspielungen, er scheint noch mehr Wert auf Anschlagsqualitäten zu legen, über weite Strecken scheint er überhaupt nicht mehr in melodischen oder harmonischen Strukturen zu denken, sondern in Klangfeldern, die er (was freilich die unübertroffene Artistik der ECM-Piano-Aufnahmetechnik voraussetzt) mit einem Raffinement gegeneinander setzt wie es auch einer klassischen Piano-Kultur nur in extremster Perfektion möglich ist: von gerade noch um Millimeter über dem Schweigen schwebenden, aber genau ausziselierten Harfen-Arpeggios bis zu schreiendstechenden, mit fingerbrechender Expressivität endlos gezogenen Fandango-Linien. Jarretts Stil liegt im Gestus, nicht im Material. Es ist Zeit, diesen Pianisten gegen seine Epigonen zu verteidigen. Diese Produktion ist dazu das probate Mittel."

"Jarrett-Fans können aufatmen. Endlich liegen jene fünf Konzerte vom November 1976 auf CD vor, mit denen Keith Jarrett seinen Ruf als me- ditativer Weltklasse-Pianist untermauerte. Sie dokumentieren selbst- verlorene Momente und harsches Aufwachen, selige Höhenflüge und erdige Rhythmen, weite Spannungsbögen und einen nahezu unerschöpflichen Schatz an Themen sowie Routine-Wendungen. Keith Jarretts Improvisationen sind für den Augenblick gemünzt, aber auch auf sechs CDs fasziniert seine Spontanität." (Audio)

Keith Jarrett, Klavier

Digitally remastered




Keith Jarrett
Der amerikanische Pianist, Komponist und Bandleader Keith Jarrett gehört zu den erfolgreichsten und stilprägenden Musikern der vergangenen vier Jahrzehnte und hat vor allem durch seine außergewöhnlichen Solo-Konzerte maßgeblich die Vorstellung von zeitgenössischer Improvisation beeinflusst. Er wurde am 8. Mai 1945 in Allentown in Pennsylvania geboren, hatte seit dem dritten Lebensjahr Klavierunterricht und stand als Siebenjähriger zum ersten Mal auf der Bühne. Außerordentlich begabt und spieltechnisch versiert, konnte er dem Studium am Berklee College in Boston wenig abgewinnen, begann in den frühen Sechzigern seine Laufbahn als Live-Musiker und arbeitete schnell mit großen Namen des Geschäfts wie Chet Baker, Lee Konitz und Art Blakey zusammen. Im Jahr 1966 engagierte ihn der Saxophonist Charles Lloyd für seine Band, bereits kurz darauf gründete er mit dem Bassisten Charlie Haden und dem Schlagzeuger Paul Motian ein eigenes Trio, das er später durch den Saxophonisten Dewey Redman zum Quartett erweiterte.

Ende der sechziger Jahre war Jarrett bereits über Spezialistenkreise hinaus bekannt. Der eigentliche Durchbruch jedoch gelang ihm zunächst als Mitglied der Jazzrockformationen von Miles Davis (1969-71), dann als Solokünstler für das Münchner Plattenlabel ECM. Bis zum Jahr 1975 spielte er rund 50 Solo-Konzerte in aller Welt, mit denen er ein neuartiges Prinzip des freien Flusses motivisch geprägter Improvisationen ausbaute und kultivierte. Aufnahmen wie 'Solo Concerts Bremen / Lausanne' (1974) und 'The Köln Concert' (1975) wurden nicht nur vielfach preisgekrönt, sondern gehörten auch bald zu den Bestsellern des nach Introvertiertheit und Individualismus strebenden Jazz der siebziger Jahre. Zu den Mammut-Projekten dieser Ära zählten die auf 10 LPs veröffentlichen Aufnahmen von fünf Soloauftritten in Japan vor 40.000 Zuhörern, die unter dem Titel 'Sun Bear Concerts' 1979 veröffentlicht wurden.

Neben den Aktivitäten im Konzertsaal begann Jarrett auch, sich für klassische Musik und im Jazz unübliche Instrumente zu interessieren. Die Alben 'Hymns, Spheres' (1976) und 'Invocations - Moth And The Flame' (1979) entstanden an der Riepp-Kirchenorgel in Ottobeuern, die Aufnahme 'In The Light' brachte ihn 1973 mit dem Südfunk-Orchester zusammen, 'Book Of Ways' (1986) präsentierte ihn am Clavichord, die während der folgenden Jahre entstandenen Einspielungen der 'Goldberg-Variationen' (1989) und des 'Wohltemperierten Klaviers' (1987/90) wurden mehrfach preisgekrönt. Darüber hinaus existierten stilistisch verschiedene Projekte wie etwa seine europäische Band mit dem Saxophonisten Jan Garbarek und der aus Palle Danielsson und Jon Christensen bestehenden Rhythmusgruppe ('Belonging', 1974) oder auch amerikanische Pendants mit Musikern wie Gary Burton, Kenny Wheeler ('Gnu High', 1975) und Dave Holland.

Wiederum seiner Zeit weit voraus zeigte sich Keith Jarrett zu Beginn der achtziger Jahre, als er mit der 1983 einsetzenden Serie von Standards-Einspielungen nicht nur das damals verpönte Broadway- und Tin-Pan-Alley-Repertoire wieder belebte, sondern durch das Trio mit Gary Peacock am Kontrabass und Jack DeJohnette am Schlagzeug auch dem Klavier-Trio-Format, das seit dem Tod von Bill Evans 1980 als abgeschlossen betrachtet wurde, neue Impulse gab. Seitdem folgten zahlreiche, überwiegend live aufgenommene Einspielungen dieser Gruppe, die sich allerdings regelmäßig mit Solodarbietungen ('Paris Concert', 1988; 'Vienna Concert', 1991; 'La Scala', 1995) abwechselten. Eine seltene Nervenkrankheit zwang Jarrett Ende der neunziger Jahre dazu, sich für mehrere Monate von der Bühne zurück zu ziehen. Nach der Genesung und dem ergreifend ausdrucksstarken Soloalbum 'The Melody At Night, With You' (1998) nahm er seine internationale Konzerttätigkeit wieder auf.

Mit dem Trio nahm er seitdem die Alben 'Whisper Not' (2000), 'Inside Out' (2001), 'Always Let Me Go' (2002), 'Up For It' (2003), 'The Out-Of-Towners' (2004), 'My Foolish Heart' (2007) und 'Yesterdays' (2009) auf. Aber auch als Solopianist wurde Jarrett wieder aktiv. Dabei hatte er im Juli 2001 in einem Interview mit Wolfgang Sandner von der FAZ noch die Bemerkung fallen gelassen, dass er sich vorerst nicht vorstellen könnte, wieder Solokonzerte zu geben. Doch schon ein Jahr später strafte sich Jarrett selber 'Lügen', als er in Tokio und Osaka Solokonzerte gab. Auf die Veröffentlichung der Aufnahmen mußte das Jazzpublikum allerdings drei Jahre warten: Erst 2005 erschien die Doppel-CD 'Radiance', ein Jahr später noch die DVD 'Tokyo Solo'. Für noch mehr Furore sorgte 2006 die Veröffentlichung des Mitschnitts eines Solokonzerts, das der Pianist in der New Yorker Carnegie Hall gegeben hatte. Für zahlreiche Kritiker und Fans stand fest: 30 Jahre nach dem legendären 'Köln Concert', das als das bestverkaufte Pianosolo-Album aller Zeiten gilt, hatte Keith Jarrett sich auf 'The Carnegie Hall Concert' selbst übertroffen und die Messlatte für improvisierende Solopianisten noch einmal ein gutes Stück höher gelegt. 2009 folgte die drei CDs umfassende Box 'Testament' mit Aufnahmen von Solokonzerten in Paris und London.

Nach all diesen Trio- und Soloeinspielungen überraschte Keith Jarrett seine Fans dann, als er 2010 mit dem Bassisten Charlie Haden (mit dem er über dreißig Jahre lang nicht zusammengearbeitet hatte) das wunderbar balladeske Duo-Album 'Jasmine' einspielte.

Dieses Album enthält kein Booklet

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