Kevin Burt – This Trip

Review Kevin Burt – This Trip

Eine Gitarre, eine Mundharmonika (ok, eine Harp), eine solide Gesangsstimme, mehr braucht es nicht, um den klassischsten aller 12-Takter vortragen. Auf This Trip macht Kevin Burt genau das: Auf seinem vierten Album spielt der US-Amerikaner nicht mit einer Band, sondern maximal reduziert – kein Bass, kein Schlagzeug, keine Bläser, schlicht und pur serviert er seine jüngsten elf Titel.

Intimität und Ehrlichkeit, dafür soll This Trip stehen. Das tut das Album in der Tat: Kevin Burt spielt und singt klar, greifbar und authentisch von dem, was den Alltag bluestauglich macht. You Gone, Ancestores Tears, Big Love, I'll stand up – das sind vertraute Überschriften für all jene Momente im Leben, die eine oder eine andere Klage rechtfertigen. Und hiervon lebt er schließlich, der Blues, die Schmerzmusik der Alltags-Don-Quichottes.

Nun ließe sich einwenden, dass Burt aus Iowaim mittlerer Westen der USA stammt, während Mississippi im Südwesten der Vereinigten Staaten die Wiege des Blues ist. Und die beiden Staaten grenzen nicht einmal gemeinsam an einen der übrigen Bundesstaaten und halten grundsätzlich mindestens zwei Bundesstaaten Distanz. Macht aber nichts.

Die Lieder sind von Erfahrungen geprägt, lässt das Label wissen, und wer genau hinhört, findet viele Hinweise, die auf durchlebte Erfahrungen verweisen. "Darling, sometimes you dirve me crazy" ist da nochei harmloseste Feststellung. Wenn es in Round & Around "This kind of thing / we don't want to see now" heißt, ist da schon deutlich näher.

Musikallisch ist die Interpretation dessen, was Blues so alles ist, locker gefasst, aber nicht ignorant. Home Goin' Time könnte problemlos aus dem Lehrbuch für Blues-Puristen stammen und You Can't Hold Me Down aus dem Liederbuch für Gospel-Fans, während sich Your Smile locker bei Singer-Songwriter einsortieren lässt.

Burt ist also zugänglich unterwegs auf seinem vierten Album, das auch sehr authentisch und nahbar gemischt ist. Die Stimme im Zentrum greifbar präsent, die Gitarren – mal akustisch, mal elektrisch – knapp davor. Und die Harp genau da, wo gerade noch die Stimme war. Das ist eine Kleinkunstbühne im Hörraum, direkt vor dem Sessel platziert und damit sehr fein eingeordnet in das Genussspektrum heimischer Musik.

Mit This Trip hat Kevin Burt ein feines und sehr gutes Blues-Album vorgelegt, dass nicht nur Puristen und Ästheten ansprechen wird. Der Grund: Es ist einfach rundum gelungen. (Thomas Semmler, HighResMac)

Kevin Burt, Gesang, Akustikgitarre, Mundharmonika

Foto: ©Patrice Lumumba Jones

Kevin Burt – This Trip

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