Joscho Stephan Trio - Paris Berlin

Review Joscho Stephan Trio - Paris Berlin

Dieser 96 kHz Download ist das Nebenprodukt einer Direct-to-Disc-Aufnahmesitzung des Albums Paris-Berlin des Joscho Stephan Trios vom 6. Juni 2018 in den Emil Berliner Studios. Diese reine Analogaufnahme, ist vom Tonmeister Stefan Flock erstellt und letztendlich als 180g Langspielplatte im Plattenpresswerk der Pallas GmbH basierend auf einer vom Schneidingenieur Reinhard Maillard erstellten Lackfolie gepresst worden. Erschienen ist die Direktschnitt-LP ebenso wie der Download beim Label Berliner Meisterschallplatten der Herren Maillard und Flock. Als Nebenprodukt der analogen Direct-to-Disc Aufnahmesitzung stellt der Download gewissermaßen deren digitales Protokoll dar, das dasselbe Frontend, also dieselben Mikrophone von Josephson und Sennheiser sowie dieselben Mikrofonverstärker nutzt wie die analoge Aufnahmestrecke, deren Direktschnittmaschine zur Erzeugung der Lackfolie allerdings durch einen Analog/Digital-Wandler zur Erzeugung von auf einer Festplatte gespeicherten digitaler Daten ersetzt ist. Erhalten bleibt für den digitalen Download also die Aufnahmebedingung der Direct-to-Disc-Aufnahmesitzung, die einer Live-Aufnahme ohne die Möglichkeit einer Nachbearbeitung entspricht. Es ist also die Atmosphäre dieser speziellen Art einer Aufnahmesitzung und damit deren emotionaler Kern, die über die digitale Strecke ebenso transportiert wird wie über die analoge Strecke. Und eben diese spezielle hochgespannte Atmosphäre, unter der die Musiker bei der Aufnahmesitzung aktiv waren, und die keine Wiederholung und Nachbearbeitung der Aufzeichnung zulässt, kommt über den 96 kHz Download beim Hörer ebenso wie über die Schallplatte unverstellt an, die mit der direkt geschnittenen Lackfolie gepresst wurde.

Mit dem Album Paris-Berlin erinnern die Musiker des Joscho Stephan Trios mit Joscho Stephan an der Akustikgitarre, Volker Kamp am Kontrabass und Sven Jungbeck an der Rhythmusgitarre an den „Hot Club de France“ mit dem legendären Gitarristen Django Reinhard bzw. Stephan Grappelli, der Formation der in den dreißiger Jahren das Herz der Gypsy Swing Anhänger höher schlagen ließ. Joscho Stephan steht den historischen Vorbildern in nichts nach und hat den Vorteil der aktuellen Aufnahmetechnik und des störungsfreien digitalen Speichermediums bzw. der modernen LP, das bzw. die der Schellackplatte haushoch überlegen ist.

Die ersten fünf Titel des Albums Paris-Berlin mit „Train to Paris“, „Are You in the Mood“, „Valse de la Mer“, „Songe d’automne“ und „Vous et Moi“ sind klar erkennbar frankophiler Natur und verströmen üppig das damals charakteristische leichtlebige Flair der französischen Hauptstadt. Die zweiten fünf Titel bilden mit dem Dauerbrenner der Comedian Harmonists „Mein kleiner grüner Kaktus“, mit Theo Mackebens „Hallo kleines Fräulein“ und „Bei Dir war es immer so schön“ sowie mit Max Raabes „Kein Schwein ruft an“ und mit dem abschließenden „Wes Berlin“ von Joscho Stephan bilden das einstmals lockere, emphatische Lebensgefühl der deutschen Hauptstadt kongenial ab.

Dieses ganz hervorragend aufgenommene Album transportiert die von hoher Konzentration und enormer Spielfreude gekennzeichnete Atmosphäre, die im Sommer 2018 im Aufnahmestudio geherrscht hatte unverblümt und hautnah, wie dies offenbar nur durch die Gegebenheiten einer Direct-to-Disc Aufnahmesitzung realisierbar ist.

Joscho Stephan, Lead Gitarre
Volker Kamp, Kontrabass
Sven Jungbeck, Rhythmus Gitarre

Joscho Stephan Trio - Paris Berlin

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