Colvin & Earle - Colvin & Earle (Deluxe Edition)

Review Colvin & Earle - Colvin & Earle (Deluxe Edition)

Shawn Colvin und Steve Earle, zwei gestandene Singer/Songwriter der Country-Musikszene, die ihre Karrieren weitgehend als Solisten gestaltet haben, demonstrieren hier eindrucksvoll, wie aus Singles ein Paar werden kann, das im besten Sinne, nämlich unter völliger Gleichberechtigung harmoniert. Im Vorlauf zu diesem Album sind beide vor zwei Jahren auf Shows und dann auf Tourneen im Duett auftretend durch die Lande gezogen. Ein Album war zunächst nicht geplant, und was da jetzt doch auf den Markt gekommen ist, ist kein Mitschnitt von Liveauftritten, sondern ein in Nashville realisiertes Studioprodukt, das unter dem Produzenten Buddy Miller binnen weniger Tage entstanden ist. Buddy Miller, eine Größe unter den Produzenten von Countrysongs sorgt dafür, dass der Sound auf dem Album gerade eben so fett rüber kommt, dass echte Countrystimmung garantiert aufkommt. Ein extra tiefe und satte Bass- und konturierte Schlagzeuglinie sorgt dafür ebenso wie vielschichtig aufgebotener Gitarrensound. Besser als Chris Wood und Fred Eltringham am Bass und am Schlagzeig und Buddy Miller und Richard Bennett mit mihren Gitarren kann man das Fundament für die beiden Sänger nicht bauen. Dass Shawn Colvin und Steve Earl mit eigener Gitarre mitmischen ist Ehrensache für den Countrymusiker und wer Steve Earl kennt, wundert sich auch kaum über seine obligatorischen Beiträge auf der Mandoline. Aber auch die Bouzouki, die Harmonika und dem Mandocello sind vor dem gestandenen Country-Barden nicht sicher.

Jeder der beiden Grammy-dekorierten Sänger ist seit etwa 30 Jahren im Countrygeschäft unterwegs. Bevor sie 1987 in Massachusetts zum Mal gemeinsam auftraten wussten die beiden, die bis dahin bereits ihren eigenen markanten Stil ausgebildet hatten, natürlich voneinander. Dafür ist die Countryszene selbst im Mutterland USA klein genug. Als Songwriter ließen sie es sich nicht nehmen, in der Überzahl eigene Songs zum Album beizusteuern. Sechs eigenen Songs stehen vier Coversongs gegenüber. Von den Eigenkompositionen ist Come What May gar ein gemeinsam erstelltes Werk, das die Songliste anführt und in kraftvoller Gangart, schnörkellos arrangiert launemachend in die Countrywelt des Albums einführt. Weiter geht es nicht weniger kraftvoll mit Tell Moses im countrygeläutertem Gospelstil.

Tobacco Road geht auf J.D. Loudermilk zurück. Dieser Bluesklassiker erfreut sich in der Coverversion von Colvin und Earl einer rockigen Neuauflage. Dieser den ursprünglichen Blues abwandelnde Ansatz kommt spannender rüber als der Rolling-Stones Klassiker Ruby Tuesday, den die beiden Countybarden samt Begleitmannschaft schon beinahe zu eng am Original gestalten. Mit der Eigengestaltung von You Were On My Mind von Ian & Sylvia Tyson sowie von Emmylou Harris’ Raise The Dead legen Colvin und Earl deutlich mehr Ehre ein. Aber mal ehrlich: Welches Album, und schon gar eines mit Coverversionen ist schon durchgehend optimal gestaltet.

Mit den weiteren Songs von Colvin und Earl, zumal mit dem letzten Song des Albums You’re Still Gone machen die beiden nur zu deutlich, dass man auf Coversongs durchaus verzichten kann, wenn die von hoherr Qualität sind, wie auf diesem Album. Nur, vom Himmel fallen gute Eigenkompositionen halt auch nicht, weshalb man den Rückgriff auf Bekanntes gut verstehen kann.

Alles in allem haben Colvin und Earl zusammen mit ihren Begleitmusikern ein Album abgeliefert, das anzuhören weit jenseits glattgebügelter Countrysongs mächtig Spaß macht als Synthese aus Shawn Colvins melodischem Ansatz und Steve Earls rauer Gangart. Der vom Produzenten verwirklichte Sound rundet den Spaß an diesem Album ab und kommt in der hohen Auflösung dieses Downloads voll zur Geltung.



Shawn Colvin, Gesang, Gitarre
Steve Earle, Gesang, Gitarre



Colvin & Earle - Colvin & Earle (Deluxe Edition)

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