Diego Piñera - Odd Wisdom

Review Diego Piñera - Odd Wisdom

Der aus Uruguay stammende Diego Piñera fand bereits im fünften Lebensjahr Zugang zu seinem Lieblingsinstrument, dem Schlagzeug, dessen Spielweise ihn seine Eltern von der Pike auf erlernen ließen. Die Marke des Schlagzeugers ist die Verwendung ungerader Metren , die Grundlage des Jazz sind, der in seinem neuesten Album, dass passenderweise mit Odd Wisdom betitelt ist, entsprechend eigenwillig daherkommt und sich deutlich vom Vorgängeralbum beim Label ACT unterscheidet, das tief in der Latin-Tradition verwurzelt ist und auf entsprechende „brave“ Taktarten basiert. Nun als kann sich Diego Piñera zum ersten Mal ungehindert mit seinen vielgeliebten Metren auf einem Album positionieren, das noch kurz vor dem ersten Lockdown in einem New Yorker ein Studio in sage und schrei einem einzigen Tag aufgenommen wurde. Möglich wurde diese Parforce Tour durch das Hinzuziehen einer Elitegruppe von Jazzmusikern der US-Ostküste, für die die vom Schlagzeuger vorgegebenen krummen Taktarten kein Problem darstellen, sondern vielmehr motivierend wirken. Mit von der Partie waren der Saxophonist Donny McCaslin, der unter anderem Mitglied des Quintetts von Gary Burton war, der Gitarrist Ben Monder, der Mitglied des Maria Schneider Jazz Orchestra, des Lee Konitz New Nonet und von Paul Motians Electric Bebop Band war und der Bassist Scott Colley, der mit Musikern wie Herbie Hancock, Dizzy Gillespie, Clifford Jordan, Roy Hargrove und Art Farmer zusammen auftrat.

Der Album-Opener "Clave Tune" zum Beispiel erweist sich als Hochseilakt von einer Melodie. Über alle zehn Tracks des Albums findet sich kein Groove, der den Hörer nicht in seinen Bann zieht. Vor allem die auf Piñera zurückgehenden Stücke mit ihrer komplexen Polyrhythmik glänzen mit vollem Einsatz nicht nur des Schlagzeugers, sondern auch seiner Mitmusiker. „Clave Tune“ überrascht damit, sich stilistisch über acht Minuten hinweg dauernd neu zu erfinden. „Domingo“ glänzt mit hochprofessioneller Geschmeidigkeit. Mit „Robotic Night“ findet sich der Hörer im Elektrodrum-Sound der achtziger Jahren wieder. Mit der Ballade „Space“ zieht in Odd Wisdom die Schlichtheit pur in Gestalt einer Melodie ein, die bei aller Schlichtheit tief von allen Musikern des Albums empfunden und dargestellt wird. Und nach so viel Einfallsreichtum nimmt es kein Wunder, dass es Piñera gelingt, dem bekannten Titel „Blue Monk“ dank schrägem Rhythmus eine völlig neue Gangart zu verpassen.

Bewundernswert ist, dass Diego Piñera auf Odd Wisdom das Kunststück vollbringt, sich im Rahmen des experimentellen Jazz seinen höchst eigenen Claim abzustecken, dessen Goldader es wert ist zur Freude der Anhänger des experimentellen Jazz in künftigen Alben abgebaut zu werden.

Diego Pinera, Schlagzeug
Donny McCaslin, Saxophon
Ben Monder, Gitarre
Scott Colley, Bass

Diego Piñera - Odd Wisdom

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