Gettin' Blazed Jermaine Landsberger

Album Info

Album Veröffentlichung:
2017

HRA-Veröffentlichung:
17.11.2017

Label: 2xHD - Naxos

Genre: Jazz

Subgenre: Fusion

Das Album enthält Albumcover

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Formate & Preise

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FLAC 44.1 $ 15,00
  • 1Sno' Peas06:31
  • 2Brazilian People04:27
  • 3Ballad for J05:43
  • 4Three Base Hit03:31
  • 5Valse Manouche04:08
  • 6Romance06:16
  • 7Babik05:13
  • 8Another Star03:33
  • 9Night Ballad06:09
  • 10Filthy McNasty04:41
  • Total Runtime50:12

Info zu Gettin' Blazed

Schon faszinierend, Pat Martino in solch einem langsamen Stück wie "Romance" zu hören, dieser seltsamen Ballade von Richard Galliano, in der die Gitarre sich anhört, als würde sie im Thema Ton für Ton in Händelschem Schreiten verabreichen, um sich dann elegant wie eine Lerche übers Thema zu erheben und irgendwo da oben hinfliegen, wo es nur ihn gibt, den großen Pat Martino. Aber da kommt jede Menge soul mit herüber, wunderbare Tiefe und eine ganz andere Intensität als die seiner gewohnten, bewunderten schnellen Läufe, runs (das Englische trifft es besser), die so präzise und bestimmt kommen, als wären sie Perlenketten apodiktischer Statements, mit präzisen, klar definierten Anfängen und Schlüssen.

Und dann Andreas Öberg, der schöne blonde Jüngling, der es kürzlich sogar auf den Titel von "Just Jazz Guitar" brachte, der Klare aus dem (skandinavischen) Norden, der Pat Martinos "Three Bass Hit" - der stammt aus Pats 1976er "Exit"-LP mit einem makellosen Solo krönt, als wär' es - fast - vom Meister selbst. Öberg ist nicht mehr zu unterschätzen. Und Martino ist immer noch mehr zu schätzen: Diese beiden knappen Erkenntnisse bleiben ganz oben hängen, wenn man das Album zu Ende gehört hat, das der Sinto-Keyboarder Jermaine Landsberger vorlegt, sein Amerikadebüt, wie es scheint. Da hat man ihn, so der Eindruck beim Lesen der Liner Notes, schon längst Willkommen geheißen als ein burner, wie sie sagen, der mal wieder demonstrieret, was für eine international machbare Angelegenheit der Jazz doch inzwischen geworden sei.

Origineller an Landsbergers Debüt für das US-Label ResonanceRecords, "Gettin' Blazed" [RCD 1009] ist was ganz anderes: dass ein Sinti, der mit Djangos und Grappellis Musik, mit rumänischer Folklore und bals miusettes in den Ohren in old Germany aufgewachsen ist, weder eine Maccaferri-, noch eine Favino-Gitarre und überhaupt keinen Gypsy-Jazz oder Gypsy-Swing spielt, sondern modernen Mainstream à la Hancock, Jarrett oder Tyner und wie man ihn sich mit einer Hammond-Orgel eben so vorstellt. Man denkt an Melvin Rhyne bei Wes Montgomery und etliche andere Tasten-Meister.

Andreas Ö. sei es gewesen, heißt es, der den Produzenten George Klabin auf den deutschen Keyboarder aufmerksam machte, und das war dann schon die halbe Miete. Ich glaube, back home hat Paulo Morello seinen Freund Jermaine auf den Trichter gebracht, vom Flügel ruhig mal auf die Orgel umzusteigen. "Hammond Eggs" haben Paulo und JL dann ja auch gemacht. Na ja, und jetzt Amerika, eine handfeste Gruppe mit Jermaine an Orgel und E-Piano, James Genus an E- und Akustikbass (sein E-Solo auf "Babik" macht schwindlig) und der blendend aufgelegte, ergo: inspirierte Gary Meek meistens an Tenor- oder Sopransax und, wie in Marcos Silvas "Brazilian People" auch mal an der Flöte. Tja - und eben Pat Martino bzw. Andreas Öberg an den Gitarren. Für uns macht das diese B3-Platte zur Gitarren-Platte, und das ist "Gettin' Blazed" ja auch. Martino spielt in drei Stücken mit, Öberg ist auf den anderen sieben zu hören, und zwar in äußerst eindrucksvoller Weise und Menge. Wie A. Ö. in "Babik" (dem alten Django-Hymnus auf seinen Sohn) zulangt, ist atemberaubend. Sein Tempo ist es, seine affenartig schnellen Improvisationen scheinen unerschöpflich, sind völlig licks-frei und voller emotionaler Intensität, die bei hm immer irgendwie akustische Ursprünge zu haben scheint, während Martino ohne Zweifel ein Erz-Elektriker ist. Auf "Babik" mischt übrigens noch Kuno Schmidt am Synth mit, der klingt wie eine (Gypsy-)Geige.

Über Martino noch lange zu reden, ist dummes Zeug. Die drei Titel, in denen er mitmacht, "Sno Peas" (das Bill Evans 1978 mit Toots Thielemans für das Album "Affinity" einspielte), dann die "Brazilian People" und das so überraschende "Romance" sind reine Sahne, für gestandene Martino-Freaks (die es gerade unter professionellen Gitarristen in Fülle gibt) ebenso wie für Novizen. Mögen Ö. und M. lauftechnisch in ungefähr gleichwertigen Ligen spielen - an Martinos Jonglierkünsten mit den abgefahrensten Intervallen in seinen Improvisationen reicht einfach kein anderer Zauberer heran. Übrigens spielt PM in diesem transatlantischen Kontext weniger druckvoll als in seinen eigenen Gruppen, ohne dass das irgendwie zu Lasten seiner Intensität ginge. Er scheint ein wenig milder, gelassener, ja, weicher zu spielen.

Landsberger, der gelegentlich tut, was wohl jeder B3er irgendwann mal tut und herumknört wie auf einer alten Kinoorgel, macht immer wieder jeden Verdacht europäischer oder oder zigeunertypischer Rückwärtsbezogenheit zunichte, ganz fix, mit ein paar ins Keyboard gestanzten Akkorden oder sehr schnellen Läufen. Er hat's sich redlich verdient, dieses US-Debüt.

Jermaine Landsberger, Hammond B-3 organ, Fender Rhodes piano
Pat Martino, guitar
Andreas Öberg, guitar
Gary Meek, saxophone, flute
James Genus, bass
Harvey Mason, drums
Kuno Schmid, synthesizer, Fender Rhodes piano




Jermaine Landsberger
originally from a Sinti family, has, for more than ten years now, transposed his highly accomplished and stimulating melodic piano style to the Hammond B3. His début on the Resonance label, together with guitar legend, Pat Martino, caused a sensation in the US media: “Originally a guitarist as well as a pianist, Landsberger focused more recently on the Hammond organ, on which he absolutely burns” (guitarplayer.com).

"In the evolution of any instrument, there's only a handful who are really innovative. This guy's one of them. Jermaine Landsberger is a formidable artist, a master with the flame!" (Pat Martino)



Dieses Album enthält kein Booklet

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